Alles begann mit dem pinken Flamingo

Alles begann mit dem pinken Flamingo

Juli 2018, einer der heissesten Monate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Wir liegen schlechtgelaunt am Strand von Pelzerhaken, die Sonne brennt vom Himmel, die Ostsee ist fast verdunstet, lauwarm und mit einer meterdicken, wackelpuddingartigen Quallenschicht versehen.

Neben uns lässt sich eine Familie mit allem, was am Strand dazugehört, nieder.

Windschutz, Sonnenschirme, Luftmatratzen, Kühltaschen, Handtücher, mehrere Kleinkinder und eine ältere Dame in einem grossen, floral gemusterten Badeanzug werden aufgebaut.

Nachdem die Wagenburg nebenan errichtet ist, nimmt das adipöse männliche Familienoberhaupt seinen angestammten Platz auf der Luftmatratze ein und sieht sich um.

Nah an der Wasserlinie spielen mehrere Kinder mit einem enormen aufblasbaren, neonpinken Flamingo, dessen Anblick bei unserem Nachbarn einen theosophischen Gedankengang auslöst, den er interessierten Personen (von denen es nicht viele gibt) in seiner Umgebung wortgewandt und lautstark mitteilt.

„Seltsam, dass diese Vögel neuerdings so beliebt sind“ ruft er und deutet auf die pinke Monstrosität, “ stellen sie doch ein altes christliches Symbol der Trauer und Aufopferung dar…“

Ach so, und ich dachte immer, ein pinker Flamingo sei ein Symbol für lustige Partyhüte und hemmungslosen Konsum bunter alkoholischer Getränke aus nicht dafür vorgesehenen Behältnissen … anscheinend ist die Kirche moderner als ich dachte.. oder aber der ornithologisch herausgeforderte Nachbar verwechselt einen Flamingo mit dem Pelikan.

Ein verzeihlicher Fehler, beide Tiere haben Schnäbel, Federn und Flügel, da kann man schon mal durcheinanderkommen, es ist ja auch sehr heiss in der Sonne.

Das hat mittlerweile auch der Mann bemerkt, mit dem ich mir das Handtuch teile.

„Was labert der da für einen Mist?“ meckert es neben mir, “ ist viel zu heiss hier und überall Sand und warum können wir nicht einfach so ins Wasser springen wie die da? Das ist ungerecht!“

„Die da“ sind ein Pärchen auf einem Motorboot weit hinter dem Quallenwackelpudding, deren männliches Exemplar gerade mit einem demonstrativen Köpper von seiner Badeplattform in die Ostsee springt.

„Ich will auch ein Boot, da hat man seine Ruhe und muss nicht erst 1000 km durch Quallen waten um sich abzukühlen und ich muss nicht dem Spinner nebenan mit seinem Flamingo zuhören… Blöder Flamingo „

Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt, wir beschliessen, nach Hause zu fahren

Aber das Bild des Motorbootes auf der Ostsee blieb… und ich dachte mir, warum eigentlich nicht?

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