Zurück auf die Schulbank, Teil 2

Zurück auf die Schulbank, Teil 2

September 2018, endlich nicht mehr so heiss.

Etwas verspätet erreichen wir die Bootsfahrschule, genauer gesagt, das Gemeindezentrum von M., in dem der Unterricht stattfinden soll.

Verspätet deshalb, da der Weg über viele unerwartete Baustellen und Umleitungen führte, welche unser Navi geflissentlich ignorierte und auf der Weiterfahrt über die teilweise nicht mehr komplett vorhandenen Strassen bestand, was zu Interessenskonflikten und daraus folgender Verspätung führte.

Auf dem kleinen Parkplatz vor dem Gemeindehaus stehen bereits diverse SUVs der Oberklasse sowie mehrere Porsches.

In Sorge, dass ich die Adresse verwechselt habe und wir versehentlich beim Gruppentreffen der Anonymen Millionäre gelandet waren, schaue ich noch einmal auf die Anmeldung.

Nein, alles korrekt, wir haben unser Ziel erreicht.

In dem Schulungsraum sitzen bereits die pünktlich gekommenen Teilnehmer, mehrheitlich männlichen Geschlechts, grösstenteils im fortgeschrittenen Alter, die bereits streberhaft ihr funkelnagelneues Navigationsbesteck ausgebreitet haben, daneben liegen frischgespitzte Bleistifte und bereits aufgeschlagene Hefte.

Die erwartungsvoll-aufgeregte Stimmung im Raum erinnert an die Einschulung; wie Erstklässler sitzen alle da, nur die Schultüten fehlen, dafür gibt es kleine Teller mit Lakritz und Gummitierchen für jeden Teilnehmer 🙂

Und viel Kaffee gibt es auch.

Der Unterricht selber ist trotz der abschnittsweise trockenen Theorie didaktisch gut aufgebaut und der teilweise geringen Aufmerksamkeitsschwelle der Kursteilnehmer, deren letzte Schulstunde bei einigen mehr als ein halbes Jahrhundert zurückliegt, angepasst.

In der grossen Pause mutieren die Teilnehmer von Erstklässler zu Oberstufe, alle stehen vor der Tür, rauchen und machen sich gegenseitig Angst vor den Navigationsaufgaben, die gleich auf dem Lehrplan stehen.

Anscheinend kennt jeder jemanden, dessen Kumpel bei der Prüfung dabei durchgefallen ist. Bevor die Horrorgeschichten noch wilder werden können, ist die Pause vorbei.

Dank der pädagogischen Fähigkeiten der Kursleiterin und meines sehr stabilen Radiergummis habe ich am Kursende das Gefühl, die Navigationsaufgaben sind nicht so schwierig, wie der obligatorische durchgefallene Kumpel behauptet. (Zuhause angekommen, relativierte sich dieses optimistische Gefühl beim Auspacken der Übungskarten allerdings rasch wieder.)

Nach Unterrichtsschluß dann folgt die von den meisten herbeigesehnte, von mir allerdings gefürchtete Fahrstunde in der Marina.

Dafür verlassen wir uns nicht auf das Navi, sondern der akkuraten Wegbeschreibung der Kursleiterin und schaffen es dennoch, an der Zufahrtsstrasse zum Hafen vorbeizufahren. Ein U-Turn später erreichen wir dann doch das Ziel und stehen das erste Mal an einem Schwimmsteg, ohne zu wissen, das es sich dabei um einen Schwimmsteg handelt.

Vor uns liegt ein riesiges Stahlboot, gross wie die Englandfähre… na gut, vielleicht ein bisschen kleiner.

Da ich heimlich auf das maritime Äquivalent eines Fiat Pandas gehofft hatte für die erste Fahrstunde, kam das als unerwartete Überraschung.

Hoffnungsvoll sehe mich um, aber es liegt kein freundliches kleines Panda-Boot am Fahrschulsteg und so gehe ich zögerlich an Bord.

Der Mann an meiner Seite steht schon im vollen Kapitänsmodus fröhlich am Steuerrad und ruft mir zu, dass ich mich beeilen soll, er wolle ablegen…

Ab jetzt gibt es kein Zurück mehr…

Lernen im Grünen… diesmal ohne Porsche auf dem Parkplatz


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