Am Steuerrad…

Am Steuerrad…

Ganz so schnell geht es dann doch nicht, vor dem Ablegen kommt die Gebrauchsanleitung.

Motor anmachen, Gashebel, vorwärts und (oh Schreck) rückwärts, vorher natürlich noch Leinen los, jede Menge Kommandos, Ablegen, Radeffekt, wo war doch gleich nochmal Steuerbord?

Irgendwie schaffen wir es dann doch, vom Steg wegzukommen ohne grössere Schäden anzurichten, und fahren los.

Aus dem Hafen auf die Weser, stolz lenkt mein Mann das Boot, wie ein Kapitän auf der Brücke eines Ozeanriesens während der Atlantiküberquerung.

Dann wird gewechselt, ich übernehme das Steuer und der stolze Ozeanriese mutiert zur Titanic.

Unfähig, den Kurs zu halten, schlingern wir zwischen den Weserufern, wie deutsche Touristen nachts auf dem Heimweg zum Hotel am Ballermann.

Irgendwann merke ich, das das Ruder nicht so einfach reagiert wie mein Auto (so viel zum Thema, „ist so leicht wie Autofahren“), und nachdem ich alles langsamer und ruhiger mache, fahren wir tatsächlich einigermassen geradeaus.

Und plötzlich scheint die Sonne, das Schilf raschelt im leichten Wind, ein Reiher steht bewegungslos am Flussufer und ich bin glücklich.

Bootfahren ist toll…

Wieder Zeit zum Wechseln, ungeduldig zerrt mein Kapitän in spe an meinem Ärmel. „Ich bin dran“, drängelt es neben mir.

Ich merke, dass ich das Steuer nicht hergeben möchte, gerade hatte ich meinen Moment der Erleuchtung, da gehe ich doch nicht hin und übe wieder Knoten mit seltsamen Namen, ich kralle mich am Steuer fest – meins!

Der Fahrlehrer deutet meinen Gesichtsausdruck richtig und verspricht, das wir noch mehr Fahrstunden haben werden und übernimmt selber das Steuer, (das ich ihm dann doch freiwillig überlasse, bevor er meine Finger mit Gewalt lösen muss)

Vermutlich möchte er nach dem Anlegemanöver noch ein intaktes Schiff haben für die nächsten maritimen Anwärter.

Ein paar Tage später, bereit zur nächsten Fahrstunde, mittlerweile bereitet es uns keine Probleme mehr, den Hafen zu finden.

Diesmal steht ein anderer Fahrlehrer am Steg und erwartet uns schon mit einem norddeutschen „Moin“, während er mit einer Hand eine Zigarette dreht.

Weisser Bart, goldene Brille und statt des obligatorischen Fischermannpullovers ein cooles Shirt von The Art Of Hamburg, ein hipper Skipper, der O.

Tiefenentspannt (O., nicht wir) legen wir ab, diesmal in der richtigen Reihenfolge und legen wieder an und so weiter, MOB-Manöver, Peilung, alles klappt mehr oder weniger. Mit O. als Lehrer scheint alles einfach und wir fühlen uns dem eigenen Boot schon ein Stückchen näher..

Bis zur Prüfung zumindestens…

Auch der fahrbare Untersatz des Skippers ist tiefenentspannt mit Tempo 30…


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