Prüfungen… und noch mehr Prüfungen…

Prüfungen… und noch mehr Prüfungen…

Oktober in Bremen, Sonne aber kalt…

Wir stehen in Bremen vor der Strasse mit dem unheilvollen Namen „Schlachte“, halten einen viel zu heissen Kaffee in einem Pappbecher in der Hand und warten auf den Beginn der theoretischen Prüfung.

Nach und nach treffen die Kursteilnehmer ein, alle in diversen Stadien der Prüfungsangst, noch mehr Kaffee und Zigaretten, dann wird es ernst.

In einem kleinen, schlecht belüfteten Raum sitzen wir vor unseren Dreiecken, Zirkeln, Druckbleistiften und Radiergummi sund warten auf die Austeilung der Prüfungsbögen.

Ich drehe meinen um … schnell durch die unproblematischen Ankreuzfragen (wenn man im Medizinstudium eines lernt, dann Multiple-Choice-Fragen beantworten), dann kommen sie, die gefürchteten Navigationsaufgaben… mit zitternden Händen lege ich das Dreieck an, schlimmer kann es auch bei Windstärke 10 nicht schaukeln, breche den Druckbleistift mehrfach ab und hoffe, dass das Papier mein eifriges Radieren aushält.

Fertig…. noch ist die Zeit nicht abgelaufen, trotzdem gebe ich die Bögen ab, damit ich nicht alles noch einmal durchlese, anfange zu zweifeln und richtige Antworten in letzter Minute noch in Falsche verwandle.

Wieder Kaffee, immer noch Sonne… ich schaue auf die Weser, auf der von einem Motorboot aus gerade einen Rettungsring ins Wasser geworfen wird, um ein MOB-Manöver zu fahren, wahrscheinlich Führerscheinprüfung.

So wie wir gestern.

..Ein Tag zuvor…

Wieder am Hafen, diesmal ist der gesamte Kurs anwesend, am Steg ist eine Bierzeltgarnitur aufgebaut.

Neben Kaffee und Kugelschreibern liegen dort amtlich aussehende Formulare… Fahrprüfungszeit.

Der gesamte Kurs ist anwesend, zusätzlich ein paar Unbekannte, die den theoretischen Teil bereits absolviert haben und nur noch die Fahrprüfung bestehen müssen.

Erstaunlich, wie schnell die Technik des Knotens aus dem Gedächtnis verschwinden kann, wenn eine Prüfung ansteht.

Nervös wird an den Tampen genestelt, deren Enden teilweise vom vielen Knotenüben bereits ausgefranst sind wie eine drei Jahre alte Zahnbürste.

Panikstimmung macht sich breit, der offizielle Prüfer kommt an.

Wer wird zuerst drankommen?

Wie bei der Wahl zur Elternvorsitzenden in der Schule, alle meiden Augenkontakt und verhalten sich unauffällig.

Zum Glück gibt es nach den Regeln der Gruppendynamik immer den einen Streber, der sich mit Begeisterung freiwillig meldet, so auch hier.

Die erste Prüfungsgruppe wird um den Freiwilligen zwangsrekrutiert und es geht los.

Erleichtert, sich nicht als erster blamieren zu müssen, kommentieren die am Ufer Gebliebenen das Geschehen .. unter kritischer Beobachtung braucht auch der Streber mehrere Anläufe, bis das Boot abgelegt hat.

Etwas später kreist er dann im Hafenbecken um den im Wasser treibenden Rettungsring, während seine Mitstreiter verzweifelt versuchen, ihre Armspannweite zu verlängern ohne selbst zur Testperson für das Mann-über-Bord-Manöver zu werden, während sie mit dem Bootshaken nach dem schnell wegtreibenden Ring angeln…

Nach kurzer Zeit nimmt das Boot wieder Kurs auf den Steg.

Mit einem unsanften Rempler, abgefangen von den zur Sicherheit belassenen Fendern, legt es an.

Alle haben bestanden, das beruhigt die Wartenden etwas.

Dann sind wir dran.. während der eine die geforderten Manöver fährt, knotet der andere eifrig, peilt und angelt nach dem Rettungsring.

Irgendwie gelingen sämtliche Aufgaben, obwohl jede über Bord gegangene Person gut und lange schwimmen können sollte, wenn er von mir gerettet werden möchte.

Wir legen ebenso unsanft wieder an wie die Gruppen vor uns – bestanden!

Nach und nach treffen die anderen Prüflinge am Kaffeestand an der Weser an und überlegen, welche Fragen sie wohl falsch beantwortet haben…

Ein letztesmal Warten, dann werden alle nacheinander reingerufen… auch bestanden!

„Jetzt kaufen wir ein Motorboot und fahren nach England“ verkündet der Mann an meiner Seite stolz…

Nach England?

Ich nehme mein Handy zur Hand und fange an zu googlen…

Unser Prüfungsschiff
https://www.ab-sportbootschule.de/ ( Photo: ab-sportbootschule)

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