Unsere Nahtod-Erfahrung oder Der SKS-Kurs, Teil 1

Unsere Nahtod-Erfahrung oder Der SKS-Kurs, Teil 1

Während unser Schiff warm und trocken wie eine Hollywood-Diva im Liegestuhl in der Werft liegt, und die Rechnungen für die Schönheitsoperationen immer höher werden, planen wir die Weltumsegelung.

Übersetzt bedeutet das, wir liegen auf dem Sofa und schauen Segelvideos auf YouTube.

Irgendwo zwischen Monsterwellen und Sturmtiefs beginnen die Zweifel und wir sind sicher, dass unsere bisherigen Kenntnisse vermutlich nur dazu reichen würden, uns auf dem schnellsten Weg auf den Meeresgrund zu befördern.

Also geht es weiter wie bisher … Internet, Google, Seeküstenschifferschein, SKS-Kurs gebucht.

Im März.

Auf der Nordsee.

Gute Idee, oder?

Grauer Himmel, graue Wolken, grauer Nebel, wir fahren durch die platten Niederlande, auf den Deichen stehen depressive Schafe, über dem Zaun hängt ein toter Einwohner… nein, es ist nur ein zerfledderter Müllsack, der dort im Wind weht.

Auch das Navi fühlt die spätwinterliche Tristesse und zeigt nur noch grüne leere Fläche an, durch die der blinkende Pfeil fahren soll, ich kann es ihm nicht verdenken.

Wir sollten trotzdem über ein Navi-Update nachdenken.

Aller Widrigkeiten zum Trotz erreichen wir unser Ziel mit Hilfe der Wegbeschreibung und fahren zielsicher wie immer zum falschen Hafen.

Dort begrüsst uns eine überlebensgrosse bunte Fischskulptur, Menschen sind nicht zu sehen.

Wir kehren um und fahren zum richtigen Hafen, parken vor der verschlossenen Schranke und warten.

Nichts passiert. Wir steigen aus und betreten das Marinagelände,

Hinter dem Toilettenhäuschen stehen Boote im Winterlager, die wir gerade ansehen, als uns Ozzy Osbourne mit schwedischem Akzent anspricht.

Die Ikea-Version des Altrockers entpuppt sich als einer der Kursteilnehmer, ein stolzer Schiffsbesitzer eines Stahlkutters im Piratenlook, soviel erfahren wir in einem kurzen Gespräch, und hungrig.

Wir auch, deshalb folgen wir ihm zurück in den ersten Hafen, wo mittlerweile eine kleine Fischbude geöffnet hat und bestellen auf Ozzys Empfehlung hin „Kibbeling“, ohne zu wissen, dass uns dieses bislang unbekannte Gericht die gesamte Woche begleiten sollte. Schmeckt übrigens sehr gut!

Satt und zufrieden sehen die Niederlande gleich viel freundlicher aus, denken wir, selbst der Himmel scheint heller zu werden.

Dann fängt es an zu regnen.

Wieder ins Auto und zurück zum Parkplatz des Zielhafens, dort steht mittlerweile ein verloren wirkender Neuankömmling, ein blasser, freundlicher junger Mann mit Brille wie Clark Kent und sieht uns mit hoffungsvollen Blick an; wir erkennen in ihm sofort einen weiteren Kursteilnehmer und er schließt sich unserer Gruppe an.

Es wird Zeit, den Skipper zu treffen und an Bord zu gehen.

Der Skipper gibt klare Anweisungen, darauf folgt ein Durcheinander von Seesäcken, Schlafsäcken, Rettungswesten, und sonstigem Material, welches an Bord gebracht und verstaut wird, die Zuteilung der Kojen erweist sich als unproblematisch, da wir weniger Teilnehmer sind als ursprünglich geplant.

Es folgt eine Art Stuhlkreis zum Kennenlernen und ein grober Plan des Abends wird erstellt, Ozzy will Bier und Essen, der Mann an meiner Seite stimmt sofort zu, ebenso Clark Kent.

Der Skipper, aka „Der Bestimmer“ hat einen anderen Plan.

Einige Zeit und mehrere Einkaufszettel später finden wir uns in einem holländischen Supermarkt wieder und kaufen zielgerichtet und durchorganisiert ein, was bedeutet das jeder alles in den Wagen wirft, was lecker aussieht, was lustig holländisch beschriftet ist und worauf er gerade Hunger hat.

Kurz vor der Kassenschlange finden wir dann den Einkaufszettel wieder, kehren um und kaufen alles, was wir wirklich brauchen.

Zurück zum Schiff, wir verräumen alles, in der Hoffnung, es später irgendwann wiederzufinden, der Kühlschrank ist voll mit Bierdosen, zum Glück haben wir nicht so viel Gemüse, welches um den Platz konkurrieren müsste.

Niemand gibt zu, die Hundesnacks gekauft zu haben.

Freundliche Begrüssung am Hafen von Stavoren

Bereit zum Ablegen…


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