Murphy´s Gesetz oder SKS-Kurs Teil 4

Murphy´s Gesetz oder SKS-Kurs Teil 4

Es ist Kurs-Halbzeit, aber im Gegensatz zum Fußballspiel gibt es unter der eisernen Hand des Bestimmers keine Pause.

Also finden wir uns frierend inmitten kabbeliger Wellen schaukelnd auf dem Ijsselmeer wieder; neben uns taucht eine Insel auf, unser Kartenplotter ignoriert diese geflissentlich, er zeigt nur Wasser an.

Atlantis? Unbekannte Inseln? Hic sunt dracones im Ijsselmeer?

Nein, anscheinend haben die Holländer mangels vulkanischer Aktivität beschlossen, selber eine Insel zu bauen, anstatt auf deren spektakuläres spontanes Auftauchen unter Dampf und Lava zu warten.

Allerdings haben sie vergessen, unseren Plotter darüber zu informieren… vielleicht braucht er aber auch nur ein Update.

Neugierig steuern wir in die Anlegebucht, die Insel ist halb fertig, verlassene Bagger stehen im Sand, alles wirkt trostlos, grau, die Wolken hängen tief, noch regnet es nicht.

Ein grosses Baustellenschild preist die Insel als ornithologisches Paradies an.

Wir können keinen Vogel entdecken, nicht einmal Möven fliegen herum, nichts zwitschert.

Wahrscheinlich sonnen die seltenen Vogelarten sich noch im warmen Süden, ich kann es ihnen nicht verdenken.

Selbst unser Bestimmer, der stets enthusiastische Niederlande-Aficionado, kann dem Anblick nicht viel abgewinnen, es gibt auch keinen Kibbeling dort, also findet er neue Aufgaben für uns,.

Wir beginnen mit einer Schleusenfahrt.

Schleusenfahren macht viel Spass, zumindestens den Zuschauern an Land.

Für uns war es eher Murphy´s Law.

Hier ein kleine Anleitung, wie man sich am besten in der Schleuse querstellt.

Man nehme drei Crewmitglieder, die es allesamt nicht schaffen, die Leinen über die Poller zu werfen und füge etwas Seitenwind hinzu, ein sicheres Rezept.

Der Anker am Bug schrappt funkensprühend an der Schleusenmauer entlang; kurz bevor wir uns komplett verkeilen, greift der Bestimmer ein und rettet das Schiff vor der inkompetenten Crew, sehr zur Enttäuschung der Zuschauer, welche die Popcorntüten wieder wegpacken.

Der Bestimmer ist enttäuscht von uns, zur Strafe fahren wir in eine kleine Bucht ohne Zuschauer und üben den Rest des Tages Anlegemanöver, von vorne, seitlich und rückwärts.

Da war es wieder, das Rückwärtsfahren. In Schlangenlinien nähere ich mich dem Steg und bemühe mich, den ausgewählten Poller anzusteuern, vergebens.

Zum Glück ist der Steg dicht besetzt mit Pollern, ich stereu den nächsten san (hoffte ich zumindestens) und rufe dem potentiellen, mittlerweile leicht verwirrt dreinblickenden Leinenwerfer zu „Ich nehm den rechten“ , sage ich an, noch einen Schlenker weiter, „Äh, nein, doch den linken! Halt, doch lieber rechts..“

Der Leinenwerfer verliert die Geduld und die Leine; während er noch versucht, das schwere, nasse und widerspenstige Seil zu bändigen, touchiere ich ganz leicht den Steg (ehrlich, man hat es kaum gemerkt), weit entfernt von allen vorhandenen Pollern, der Leinenwerfer gibt sein Bestes, aber vergebens.

Wir üben weiter, irgendwann klappt es dann doch bei allen, jeder von uns schaffte es am Schluß das Schiff ohne größere Schäden an den Steg zu bringen,

Endlich gibt sich der Bestimmer zufrieden, ihn lockt die Aussicht auf Kibbeling und wir segeln zurück in den Hafen.

Kein Kibbeling, kein Hafenmeister, niemand will etwas mit uns zu tun haben, wir kommen uns vor wie Aussätzige im Mittelalter, social distancing ist das Gebot der Stunde.

Corona ist angekommen.

Die Häfen, in denen wir zuvor angelegt hatten, werden nach und nach geschlossen, die Restaurants auch, zum Entsetzen des Bestimmers bleiben auch an den Kibbelingbuden die Schotten dicht.

Auf dem Wasser haben wir die neuesten pandemischen Entwicklungen verpasst, wir lesen im Internet nach, Grenzschliessungen werden geplant, die Schweizer vom Schlechtwetterkurs nebenan brechen ab, da sie fürchten, nicht wieder nach Hause zu kommen.

Wir prüfen unsere Vorräte, die sollten noch für die letzten zwei Tage, reichen, mehr Isolation als auf dem Wasser geht ja kaum, also segeln wir die letzten Kurstage weiter, bis wir das gesamte Curriculum des SKS-Kurses abgearbeitet haben.

Der letzte Abend, zurück in Stavoren, problemlos durch die Schleuse, mittlerweile fast schon Routine, wir sitzen zusammen, Manöverkritik anfangs, später spinnen wir Seemannsgarn und träumen vom Blauwasser.

Der Abend wird lang, das Hafenrestaurant hat offiziell virusbedingt geschlossen, aber die nette Besitzerin liefert Pizza an Bord, natürlich mit gebührendem Abstand.

In irgendeinem Seesack findet sich noch eine Flasche Whisky.

Am nächsten Morgen fahren wir ab, den Kopf voll mit Wind, Meersalz und Segelmanövern

Ohne Kontrollen kommen wir über die Grenze und landen in der neuen Coronawelt der Kontaktbeschränkungen.

This…


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