Erster Auftritt des Drillinstructors…

Erster Auftritt des Drillinstructors…

Wir haben Urlaub und sind auf dem Weg nach Otterndorf, mehr als zwei Wochen freie Zeit.

Noch haben wir keinen Plan, wir lassen uns überraschen, lernen langsam die Stegnachbarn kennen.

Die sind bereits sehr interessiert und beäugen unser Treiben aus sicherer Entfernung, anscheinend haben wir einen hohen Unterhaltungswert; die zwei mit dem grossen Schiff und der geringen Erfahrung.

Stolz schraubt der Mann an meiner Seite auf dem Vordeck an einem Borddurchlass herum, das wird zum Anlass genommen, die Neuen kennenzulernen.

Nach und nach füllt sich das Vordeck, jede Menge Werkzeug wird geholt, Bierdosen tauchen auf, Kabel werden beschriftet, der Stecker passt zwar immer noch nicht, aber die Hilfsbereitschaft zählt.

Geschichten werden erzählt, Seemannsgarn gesponnen, die Wellen werden höher, der Wind stärker… wir sind verunsichert, da schrumpfen die Wellen wieder und alle bieten Hilfe an, anscheinend fehlt uns nach Meinung der Stegnachbarn nur ein Lehrer.

Ein paar Tage später klopft ein gradliniger älterer Herr, seines Zeichens Einhandsegler (ehemaliger Ingenieur bei Blohm und Voss und ab jetzt der EInfachheit halber nur der Drillinstructor genannt) an unser Deck, stellt sich vor und will mit uns ablegen zu einer Übungsstunde.

Wir bieten ihm einen Kaffee an, hören seine Geschichte vom selbstgebauten Boot und den Atlantikfahrten, die Chemie stimmt und wir treffen uns erneut, sehen sein Boot an, welches nicht mehr im Wasser liegt, sondern in einer improvisierten Halle im Garten steht, leihen Bücher aus und üben.

Unter dem strengen und kritischen Auge des Drillinstructors legen wir an und ab, setzen die Segel, fahren zur Erheiterung der Hafenlieger vorwärts, rückwärts, um die Kurve, drehen auf dem Teller, fahren in die Box und rammen einen Trimaran.

Grosses Hafenkino für alle, kleine Macke am Ausleger und wir wissen jetzt, über welche Seite das Schiff nicht gerne dreht.

Immer wieder gehen wir seine Checkliste vor dem Ablegen durch, von A für Ankerwinsch (eingeschaltet) …. bis Z (zu, Seeventile), für jedes vergessene Detail hat der Drillinstructor eine passende Horrorgeschichte parat.

Langsam lernen wir das Schiff kennen, wir finden das Echolot, den Autopiloten, kriechen in der Bilge rum, polieren den langen Kratzer an der Backbordseite weg und üben, üben und üben.


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