Winter is coming…

Winter is coming…

Ab Oktober werden in Otterndorf die Stege abgebaut, die Saison war ja coronakurz, deshalb überlegen wir, die letzten schönen Tage in Cuxhaven zu verbringen und fahren mit Käptn Sparrow in die Citymarina, als Testfahrt für den Motor und das zeitweise sich noch sehr divenhaft verhaltende Getriebe.

Ein bisschen Sonne und zwei Schweinswale später passieren wir die Klappbrücke, mit Käptn Sparrow am Funkgerät klappt das auch ausserhalb der stündlichen Öffnungszeiten.

Kurz vor dem Einfahren in die Box beschließt das Getriebe, plötzlich nur noch rückwärts fahren zu wollen; eine Entscheidung, die zu plötzlichen Fenderaktivitäten auf der Skyroad und dem sehr grossen, sehr teuer aussehenden Schiff hinter uns führte.

Schnell hechtet Käptn Sparrow zum Motorstop-Knopf, hektische Anordnungen und hartes Einschlagen des Ruders durch den Mann an meiner Seite verhindert eine (vermutlich viel teurere) Neuauflage des Trimaran-Fiaskos.

Ein paar schöne Tage bringt der November noch, an denen wir mal wieder Hafenmanöver unter der entspannten Anleitung von Käptn „passt schon“ Sparrow durchführten; Skyroad ist brav und fährt problemlos in alle gewünschten Richtungen, wir gewinnen wieder Vertrauen.

Unser netter neuer Stegnachbar, stolzer Besitzer eines brandneuen, sehr schicken Motorbootes, nimmt uns spontan mit, ein kurzer Ausflug auf die Elbe, ein Gefühl, wie mit einem zugegebenermassen sehr stylischen Trecker extrem schnell über einen ungepflügten Acker zu fahren….

Anfang November dann packen wir das Auto voll mit Polstern, den seewassergetränkten Matratzen und all den sonstigen seltsamen und überflüssigen Dingen, die sich über die Saison angesammelt haben und fahren nach Hause, während das Schiff eine weitere Flugstunde nimmt und aus dem Wasser in die Winterlagerhalle befördert wird.

Im Gegensatz zum letztem Winter haben wir diesmal vor, selber Hand anzulegen; die Kielbolzen müssen entrostet werden, die Bilge gereinigt und gestrichen, das Holz um den Niedergang geschliffen und lackiert, neue Matratzen müssen her, die Polsterbezüge gewaschen, die Achterkabine soll gemütlicher werden mit neuen Polstern und Gardinen und ein Vorrats- und Arbeitsraum soll eingerichtet werden…

Zuhause angekommen, mutiert unser Gästezimmer zur Abstellkammer, überall liegen Schaumstoffreste, Polsterwatte, Stoff und Gardinenröllchen herum, letztere so unangenehm wie Legosteine, wenn man barfuß versehentlich drauftritt.

An unseren freien Wochenenden sausen wir immer morgens nach Cuxhaven, verbringen den Tag kopfüber zusammengefaltet in der Bilge mit Farbrolle und Pinsel, heiter gestimmt von den Farbdämpfen und staubig vom Abschleifen.

Abends fahren wir wieder zurück, Übernachtungen sind ja coronabedingt nicht möglich und die Schiffspolster und Matratzen liegen wie gesagt im Gästezimmer.

Es nähert sich der März und noch herrscht Chaos auf dem Schiff, unter der Woche werkeln Jan und Hein und Klaas und Pitt mit Käptn Sparrow am undichten Wassertank, reparieren die Rollsegelanalgen und bauen noch diverse Gadgets ein, die der Mann an meiner Seite während der langen Wintertage mit nur dem SVB-Katalog als Unterhaltung bestellt hat; am Wochenende tragen wir dann weiter bei zur Unordnung.

Zwischenzeitlich kommt der Winter dann doch, bringt Schnee und richtige Kälte, so dass die Farbe in den Dosen gefriert; Zwangspause für uns.

Wir zünden den Kamin an, trotz schlechten Gewissens aufgrund des Feinstaubs und Klimawandels und folgen der Vendee Globe, feuern unsere jeweiligen Favoriten an; der Mann an meiner Seite hofft heimlich auf einen Sieg von Boris, bis dieser von einem Fischerboot träumt, ich würde gerne afternoon tea mit Pip Hare trinken… .

Einigkeit herrscht nur über Jean le Cam, den König der Vendee Globe.

Yes we Cam, und bald kommt der Frühling, das Schiff wieder ins Wasser und diese Saison werden wir segeln lernen…

Schaumstoff und Polster überall…

Ab in die Bilge


Die Kommentare sind geschlossen.